Hereinspaziert!

Beim Berliner Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi darf jeder zaubern, balancieren oder jonglieren.

Rosa Samira wusste früh, was sie wollte. "Als ich drei Jahre alt war stand für mich fest, dass ich am Trapez turnen wollte", sagt sie. Erst übte sie mit einem Seil, dann bekam sie ein eigenes kleines Trapez für ihr Kinderzimmer, und jetzt hängt sie kopfüber in der Übungshalle des Cirkus Cabuwazi e.V. in Berlin-Marzahn. Die schmale 13-jährige ist erst seit ein paar Monaten bei dieser Truppe dabei und darf schon am Training für den nächsten großen Auftritt teilnehmen - gemeinsam mit Anne, Marie und Marc. Anne sitzt am anderen Ende der Stange und zeigt ihr, wie sie die Beine überschlagen muss, wann der rechte Arm vorgestreckt wird und wann der Linke: "Du musst einfach zu mir schauen und dann alles spiegelverkehrt machen!"

Circus Cabuwazi ist Europas größter Kinder- und Jugendzirkus. Der Verein hat schon mehrere Auszeichnungen und Preise für sein Engagement erhalten. Ungefähr 650 junge Leute im Alter zwischen 8 und 17 Jahren üben sich in 30 verschiedenen artistischen Disziplinen. Die Teilnahme am Training ist kostenlos, Spenden sind willkommen.

An bestimmten Terminen für das offene Training dürfen auch Neulinge ganz in Ruhe entdecken, wo ihre Talente liegen - schließlich will nicht jeder gleich in fünf Meter Höhe am Trapez einsteigen. "Es geht uns nicht darum, bestimmte Höchstleistungen zu erbringen und wir wollen auch keine Berufsartisten ausbilden", erklärt Trainer Harald Lindner, der einst selber als Akrobat auftrat. "Wir wollen einfach ein attraktives Angebot für die Kinder und Jugendlichen aus der Nachbarschaft schaffen."

So ganz nebenbei lerne man beim Zirkus natürlich auch noch ganz andere Dinge: Pünktlichkeit zum Beispiel, Verantwortungsbewusstsein oder Teamgeist. Zirkus macht schließlich auch deswegen so viel Spaß, weil es nicht nur um den Sport geht. Die meisten Jugendlichen haben bei Cabuwazi auch ihre Freunde gefunden.


Beate Köhne 2005 | www.journalistenetage.de/koehne.htm

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