Bühne frei!

Viele träumen von einer Schauspielkarriere. Doch wie sieht es hinter den Kulissen aus?

"Aber was ist denn das? Sie sind ja wohl im Frack!" sagt Karoline mit einer Stimme, die klar ist und zart zugleich. Bastian in der Rolle des Iwan Wassiljewitsch Lomow plustert sich stolz auf, rückt den Frack gerade, und senkt dann wieder verlegen den Kopf. Was soll er tun? Er würde Natascha Stepanowna so gern heiraten, aber er weiß, er wird einen Korb bekommen. "Stopp, bis hierhin!" unterbricht Professor Wolfgang Rodler. Auf den zweiten Satz komme es an, erklärt er Karoline. Sie dürfe ruhig ein wenig übertreiben. Vier Mal wiederholen die beiden Studenten die Szene, erst dann ist der Professor zufrieden mit der Tschechow-Interpretation.

"Schauspielen ist harte präzise Arbeit", sagt Wolfgang Rodler, "es ist eben ein richtiger Beruf." Und die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, an der er seit 25 Jahren unterrichtet, gilt als eine der besten Ausbildungsstätten für Schauspieler in Deutschland. Wer hier einen Studienplatz ergattert, der hat schon viele Bühnenauftritte hinter sich, selbst wenn er nicht in einer Schüler-AG auftrat. Allein um zum Studium zugelassen zu werden sprechen die zahlreichen Bewerber mehrmals vor. Aus knapp 1000 Anwärtern wird schließlich das kleine, aber feine erste Lehrjahr zusammengestellt.

Die Ausbildung ist vielfältig: Heute tanzen nebenan die Studenten des zweiten Studienjahres Walzer, ein Stockwerk höher wird auf der Probebühne Shakespeares "Was Ihr Wollt" aufgeführt. Wer hier nach vier Jahren seinen Abschluss macht, erhält in der Regel irgendwo ein Engagement, und sei es zunächst auch nur auf einer kleinen Bühne. Dann geht das Vorsprechen nach ein bis zwei Jahren weiter.


Beate Köhne 2005 | www.journalistenetage.de/koehne.htm

«zurück